Sebastian Herkner erklärt die Grundlage erfolgreichen Designs
Sebastian Herkner gehört zu den bekanntesten und meistausgezeichneten Möbeldesignern Deutschlands. Geboren in Bad Mergentheim, geprägt durch das Studium in Offenbach und bis heute dort mit eigenem Studio verwurzelt, hat Herkner früh einen eigenständigen Weg eingeschlagen – fernab modischer Zentren, dafür nah an Material, Handwerk und Menschen.
Sebastian Herkner gehört zu den bekanntesten und meistausgezeichneten Möbeldesignern Deutschlands. Geboren in Bad Mergentheim, geprägt durch das Studium in Offenbach und bis heute dort mit eigenem Studio verwurzelt, hat Herkner früh einen eigenständigen Weg eingeschlagen – fernab modischer Zentren, dafür nah an Material, Handwerk und Menschen.
Sebastian Herkner arbeitet mit internationalen Herstellern wie ClassiCon,(sein ikonischer Bell Table), Dedon, Duravit, Freifrau, Fritz Hansen, Gubi, Moroso, Poltrona Frau, Rosenthal, Schramm, Thonet, oder Zanotta zusammen. Ob Möbel, Leuchten oder Objekte – Herkners Entwürfe entstehen aus genauer Beobachtung: von Werkstoffen, von Fertigungsweisen, von dem, was Menschen im Alltag umgibt und berührt.
Wir trafen Sebastian Herkner während des Münchner Stofffrühlings und sprachen mit ihm über das Handwerk als verlorenes Kulturgut, das Wohnen in einem Louis-Vuitton-Outfit und das Einrichtungshaus als Bühne für den Designer.
Dominik Sengfelder: Sie werden beschrieben als „einer der wichtigsten Designer seiner Generation“, als „cultural mix master“ oder als „Design-Handwerker“. Wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Sebastian Herkner: Ich komme nicht aus einem Design- oder Architekturhaushalt. Ich bin sehr ländlich aufgewachsen. Zuhause wurde viel selbst gemacht – „schaffe, schaffe, Häusle baue“, wie man in Baden-Württemberg sagt. Dort ist mein Interesse am Handwerk entstanden. Auch durch Offenbach, wo ich heute lebe und arbeite. Gleichzeitig reise ich viel und arbeite in Asien, in Südamerika, treffe Handwerker vor Ort. Ich würde mich als jemanden beschreiben, der mit einem deutschen Hintergrund viel auf Reisen ist und Begegnungen und Eindrücke zusammenbringt in seinem Tun.
Dominik Sengfelder: Sie haben Ihr Studio bewusst in Offenbach gegründet – also nicht in Mailand oder New York. War das eine strategische Entscheidung?
Sebastian Herkner: Es ist nicht entscheidend, in einer Metropole zu sitzen. In Mailand oder New York entsteht enormer finanzieller Druck – Mieten, Ateliers, Lebenshaltungskosten. Offenbach gibt mir Ruhe. Und es ist gleichzeitig extrem gut angebunden. In wenigen Stunden bin ich überall in Europa. Mein Team ist international – sie kommen aus Bangkok, aus Paris – und fühlen sich dort wohl.
Dominik Sengfelder: In einem FAZ-Interview sagten Sie, Sie vermissen in Deutschland Mut und Vertrauen in Designer. Was meinen Sie damit?
Sebastian Herkner: Viele Menschen fokussieren sich auf eine Marke – komplett durchdekliniert. Es wirkt somit wenig individuell, eher wie ein Statussymbol, quasi ein Louis Vuitton Outfit zum drin wohnen. Dabei ist es das Schönste, Dinge zu mischen. Deutsche Marken, französische, italienische, vielleicht ein Vintage-Stück, etwas Preiswertes neben einer Design-Ikone. In Ländern wie Frankreich oder England gibt es eine stärkere Interior-Kultur. In Deutschland ist oft der Preis entscheidend – weniger die Geschichte, die Entwicklung, die Manufaktur dahinter.
Dominik Sengfelder: Fehlt es hier also etwas an Kultur beim Wohnen?
Sebastian Herkner: Vielleicht fehlt es an Offenheit und Erfahrung. Manch Einer verstehet erst, was Atmosphäre bedeutet, wenn man es im Ausland erfahren hat. Und man sieht, dass Qualität ihren Preis hat – weil sie Zeit kostet. Entwicklung, Tests, Handarbeit, Wissen um Handwerkskunst. Das ist wertvoll, geht aber dennoch verloren.
Sebastian Herkner arbeitet mit internationalen Herstellern wie ClassiCon,(sein ikonischer Bell Table), Dedon, Duravit, Freifrau, Fritz Hansen, Gubi, Moroso, Poltrona Frau, Rosenthal, Schramm, Thonet, oder Zanotta zusammen. Ob Möbel, Leuchten oder Objekte – Herkners Entwürfe entstehen aus genauer Beobachtung: von Werkstoffen, von Fertigungsweisen, von dem, was Menschen im Alltag umgibt und berührt.
Wir trafen Sebastian Herkner während des Münchner Stofffrühlings und sprachen mit ihm über das Handwerk als verlorenes Kulturgut, das Wohnen in einem Louis-Vuitton-Outfit und das Einrichtungshaus als Bühne für den Designer.
Dominik Sengfelder: Sie werden beschrieben als „einer der wichtigsten Designer seiner Generation“, als „cultural mix master“ oder als „Design-Handwerker“. Wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Sebastian Herkner: Ich komme nicht aus einem Design- oder Architekturhaushalt. Ich bin sehr ländlich aufgewachsen. Zuhause wurde viel selbst gemacht – „schaffe, schaffe, Häusle baue“, wie man in Baden-Württemberg sagt. Dort ist mein Interesse am Handwerk entstanden. Auch durch Offenbach, wo ich heute lebe und arbeite. Gleichzeitig reise ich viel und arbeite in Asien, in Südamerika, treffe Handwerker vor Ort. Ich würde mich als jemanden beschreiben, der mit einem deutschen Hintergrund viel auf Reisen ist und Begegnungen und Eindrücke zusammenbringt in seinem Tun.
Dominik Sengfelder: Sie haben Ihr Studio bewusst in Offenbach gegründet – also nicht in Mailand oder New York. War das eine strategische Entscheidung?
Sebastian Herkner: Es ist nicht entscheidend, in einer Metropole zu sitzen. In Mailand oder New York entsteht enormer finanzieller Druck – Mieten, Ateliers, Lebenshaltungskosten. Offenbach gibt mir Ruhe. Und es ist gleichzeitig extrem gut angebunden. In wenigen Stunden bin ich überall in Europa. Mein Team ist international – sie kommen aus Bangkok, aus Paris – und fühlen sich dort wohl.
Dominik Sengfelder: In einem FAZ-Interview sagten Sie, Sie vermissen in Deutschland Mut und Vertrauen in Designer. Was meinen Sie damit?
Sebastian Herkner: Viele Menschen fokussieren sich auf eine Marke – komplett durchdekliniert. Es wirkt somit wenig individuell, eher wie ein Statussymbol, quasi ein Louis Vuitton Outfit zum drin wohnen. Dabei ist es das Schönste, Dinge zu mischen. Deutsche Marken, französische, italienische, vielleicht ein Vintage-Stück, etwas Preiswertes neben einer Design-Ikone. In Ländern wie Frankreich oder England gibt es eine stärkere Interior-Kultur. In Deutschland ist oft der Preis entscheidend – weniger die Geschichte, die Entwicklung, die Manufaktur dahinter.
Dominik Sengfelder: Fehlt es hier also etwas an Kultur beim Wohnen?
Sebastian Herkner: Vielleicht fehlt es an Offenheit und Erfahrung. Manch Einer verstehet erst, was Atmosphäre bedeutet, wenn man es im Ausland erfahren hat. Und man sieht, dass Qualität ihren Preis hat – weil sie Zeit kostet. Entwicklung, Tests, Handarbeit, Wissen um Handwerkskunst. Das ist wertvoll, geht aber dennoch verloren.
Dominik Sengfelder: Beim Ihrem ikonischen Bell Table dauerte es drei Jahre, bis Sie mit der Firma von Poschinger ein Unternehmen gefunden war, das sich die Herstellung zutraute. Erleben Sie heute noch, dass zwar das Design steht – aber das Handwerk fehlt?
Sebastian Herkner: Ja, durchaus, mehr denn je. Manchmal verschwindet Handwerk komplett. Wenn eine Glasmanufaktur wie von Poschinger nach fast fünfhundert Jahren Jahrhunderten schließen muss, verschwindet Wissen und handwerkliche Kompetenz. Das kommt nicht zurück. Natürlich kann man vieles outsourcen, aber Kulturgeschichte lässt sich nicht verlagern.
Dominik Sengfelder: Genau diese Vorgeschichte zum Produkt, Entstehungskosten, die einzelne involvierten Handwerker und Hersteller, der kreative Gedanke des Designers… Wie stellen Sie sicher, dass der Wert und die Idee am Ende beim Kunden ankommen?
Sebastian Herkner: Der Entwurf muss stimmen, die Qualität muss stimmen, der Hersteller muss sauber produzieren und der Handel muss verstehen, was er da verkauft. Ein Möbelstück hat oft Jahre Entwicklung hinter sich. Das muss erklärt werden.
Dominik Sengfelder: Beim Ihrem ikonischen Bell Table dauerte es drei Jahre, bis Sie mit der Firma von Poschinger ein Unternehmen gefunden war, das sich die Herstellung zutraute. Erleben Sie heute noch, dass zwar das Design steht – aber das Handwerk fehlt?
Sebastian Herkner: Ja, durchaus, mehr denn je. Manchmal verschwindet Handwerk komplett. Wenn eine Glasmanufaktur wie von Poschinger nach fast fünfhundert Jahren Jahrhunderten schließen muss, verschwindet Wissen und handwerkliche Kompetenz. Das kommt nicht zurück. Natürlich kann man vieles outsourcen, aber Kulturgeschichte lässt sich nicht verlagern.
Dominik Sengfelder: Genau diese Vorgeschichte zum Produkt, Entstehungskosten, die einzelne involvierten Handwerker und Hersteller, der kreative Gedanke des Designers… Wie stellen Sie sicher, dass der Wert und die Idee am Ende beim Kunden ankommen?
Sebastian Herkner: Der Entwurf muss stimmen, die Qualität muss stimmen, der Hersteller muss sauber produzieren und der Handel muss verstehen, was er da verkauft. Ein Möbelstück hat oft Jahre Entwicklung hinter sich. Das muss erklärt werden.
Wir nehmen mit allen Sinnen wahr, daher muss man ein Möbel fühlen, man muss klopfen, hören, wie es klingt.
Dominik Sengfelder: Welche Rolle spielt dabei der Fachhandel?
Sebastian Herkner: Eine zentrale. Der physische Handel ist essenziell, denn nur er kann erklären und die Möbel erlebbar machen. Wir nehmen mit allen Sinnen wahr, daher muss man ein Möbel fühlen, man muss klopfen, hören, wie es klingt. Man muss eine Couch testen, wie sie sich mal mit, mal ohne Kissen anfühlt. Erleben kann man nur im echten Raum.
Dominik Sengfelder: Was schätzen Sie an einem guten Einrichtungshaus?
Sebastian Herkner: Den Service und die persönliche Begleitung. Verstehen von Wünschen, Beratung, Lieferung, Montage, Reperaturservice. Auch Verpackungsmüll mitnehmen – das klingt banal, ist aber entscheidend. Sonst sitzt der Kunde zwischen Kartons und Europaletten.
Dominik Sengfelder: Interessanterweise sehen wir bei der jungen Generation, denn Mitt-Zwanzigern, einen neuen Anspruch an Qualität. Weg von Möbel-Discountern, weg von schnell, billig, Masse - hin zu individuell und langlebig.
Sebastian Herkner: Ja, junge Menschen wollen Qualität. Aber nicht das gleiche wie ihre Eltern. Sie wollen Wertigkeit – aber mit eigener Gestaltung. Und interessant ist: Dinge kommen nach Jahrzehnten wieder zurück. Kord zum Beispiel. Die Jungen haben keine Assoziation mit der Couch der Großtante oder der Hose des Erdkundelehrers. Für sie ist es etwas Neues.
Dominik Sengfelder: Auch das Gefühl der Wertschätzung kommt wieder zurück. Das sehen wir sowohl bei jungen Kunden und auch bei unseren jungen Mitarbeitern. Es gibt wieder Leidenschaft für Schönes und somit auch -wenn auch immer eine sehr eigene- Definition von einem Wert.
Sebastian Herker: Ich denke auch, hoffe auch, dass die „Geiz ist geil“ Mentalität verschwindet. Sie hat schließlich keinem geholfen… Außer Jung von Matt.
Dominik Sengfelder: Welche Rolle spielt dabei der Fachhandel?
Sebastian Herkner: Eine zentrale. Der physische Handel ist essenziell, denn nur er kann erklären und die Möbel erlebbar machen. Wir nehmen mit allen Sinnen wahr, daher muss man ein Möbel fühlen, man muss klopfen, hören, wie es klingt. Man muss eine Couch testen, wie sie sich mal mit, mal ohne Kissen anfühlt. Erleben kann man nur im echten Raum.
Dominik Sengfelder: Was schätzen Sie an einem guten Einrichtungshaus?
Sebastian Herkner: Den Service und die persönliche Begleitung. Verstehen von Wünschen, Beratung, Lieferung, Montage, Reperaturservice. Auch Verpackungsmüll mitnehmen – das klingt banal, ist aber entscheidend. Sonst sitzt der Kunde zwischen Kartons und Europaletten.
Dominik Sengfelder: Interessanterweise sehen wir bei der jungen Generation, denn Mitt-Zwanzigern, einen neuen Anspruch an Qualität. Weg von Möbel-Discountern, weg von schnell, billig, Masse - hin zu individuell und langlebig.
Sebastian Herkner: Ja, junge Menschen wollen Qualität. Aber nicht das gleiche wie ihre Eltern. Sie wollen Wertigkeit – aber mit eigener Gestaltung. Und interessant ist: Dinge kommen nach Jahrzehnten wieder zurück. Kord zum Beispiel. Die Jungen haben keine Assoziation mit der Couch der Großtante oder der Hose des Erdkundelehrers. Für sie ist es etwas Neues.
Dominik Sengfelder: Auch das Gefühl der Wertschätzung kommt wieder zurück. Das sehen wir sowohl bei jungen Kunden und auch bei unseren jungen Mitarbeitern. Es gibt wieder Leidenschaft für Schönes und somit auch -wenn auch immer eine sehr eigene- Definition von einem Wert.
Sebastian Herker: Ich denke auch, hoffe auch, dass die „Geiz ist geil“ Mentalität verschwindet. Sie hat schließlich keinem geholfen… Außer Jung von Matt.